Kreisliga B1 | Detmold


HSV-Coach Nuri Kurt: „Die Jugend von heute ist bequemer geworden"


Kaum eine Person verkörpert den Hakedahler SV so wie Nuri Kurt. Als Trainer der ersten Mannschaft und als „Mädchen für alles" ist Kurt auch die „Seele des Vereins" und hat sich in der lippischen Fußballszene einen guten Ruf erarbeiten können. Das Miteinander innerhalb des Vereins aus Hohenloh steht beim Kaufmann stets im Vordergrund, wie er im ausführlichen Gespräch mit Lippe-Kick-Chefredakteur Henning Klefisch verraten hat. Dazu hat Kurt auch die fußballerische Veränderung in den letzten Jahren und die Imageverbesserung des Hakedahler SV beschrieben.


 


Lippe-Kick: Hallo Nuri, bald ist die Hinrunde für euch in der ersten B-Staffel vorbei. Der HSV mischt munter in der Spitzengruppe mit. Zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter Post SV Detmold II versprechen Spannung. Wie fällt dein Fazit zum bisherigen Saisonverlauf aus?


Kurt: Hallo Henning, zunächst Danke für den Einsatz von Dir und Eurem Team. Ihr bietet allen Fussballinteressierten in Lippe endlich eine Plattform, um sich auszutauschen. Wir sind mit dem Saisonverlauf zufrieden, wir haben zu Beginn der Serie vier junge Leute dazu bekommen und die haben alle voll eingeschlagen. Wir haben eine buntgemischte Mannschaft mit vielen Nationalitäten, ich muss die Ansprache in vier Sprachen halten. Aber charakterlich sind es alle super Typen!


Lippe-Kick: Einige Experten gehen von einem Zweikampf mit den Postlern aus. Andere sehen noch Gefahr aus dem breiten Verfolgerfeld. Wie ist deine Einschätzung, welche Teams werden in den Aufstiegskampf eingreifen?


Kurt: Ich denke, dass diese Saison, so wie die letzte bis zum Schluss spannend bleibt. SG Hiddesen/Heidenoldendorf spielt einen frischen und dynamischen Fussball mit überwiegend jungen Spieler, die werden sich auf Dauer sicherlich durchsetzen. Wenn die in der Rückserie etwas erfahrener auftreten, dann traue ich denen das zu. Post II ist sehr abhängig von Ihrer ersten Mannschaft, die sind im ersten Spiel gegen uns komplett mit ihrem Bezirksligakader aufgelaufen und im zweiten Spiel hatten wir nachträglich die Punkte bekommen, weil ein Spieler von der ersten nicht eingesetzt werden durfte. Aber Post ist vor die Bezirksspruchkammer in Berufung gegangen. Mal Schauen was dabei rauskommt. Ich muss sagen, ich wäre nicht traurig, wenn wir die Punkte doch nicht bekommen, weil wir uns die Punkte sportlich holen möchten und nicht durch Verhandlungen vor irgendwelchen Kammern. Darüber hinaus sind Mannschaften wie Hagen-Hardissen auch in der Lage die Meisterschaft zu holen, die haben zum Beispiel in der Letzten Saison in der Rückrunde so gut wie alles gewonnen und waren ganz oben mit dabei.


Lippe-Kick: Du bist selbst jahrelang aktiver Kicker gewesen und konzentrierst dich nun auf den Trainerjob beim HSV. Wie schwer ist dir diese Umstellung gefallen?


Kurt: Das ist mir nicht schwer gefallen. Mein Bruder Niyasi ist neben mir der zweite Trainer für die erste Mannschaft. Durch Verletzungen war ich gezwungen bereits mit 26 in die Trainerkarriere einzusteigen. Das mache ich also schon länger und kann noch als Spieler einsteigen, wenn wir Lücken haben.


Lippe-Kick: Beim Blick auf euer Zahlenwerk fällt auf, dass ihr über die zweitstärkste Offensive nach der SG Hiddesen-Heidenoldendorf verfügt. Verrate uns bitte die Zutaten für diesen gefährlichen Angriff?


Kurt: Die Antwort ist ganz einfach, ich wollte es schaffen, dass jeder Spieler in der Lage ist mitzuspielen und Tore zu schiessen. Das ist unsere Stärke, wir haben gute Techniker und wenn es mal läuft, dann können auch mal mehr Tore fallen.


Lippe-Kick: Welche Spieler in deinem Team besitzen das Potential, um auch höherklassig zu spielen?


Kurt: Ich denke jeder Trainer ist überzeugt von seinen Spielern und so geht es mir auch. Wir haben Spieler, die sicherlich eins bis zwei Klassen höher spielen können. Und wir schätzen uns gegenseitig sehr, daher wünsche ich mir für diese Spieler, dass wir es doch mal packen im Kreisoberhaus zu spielen.


Lippe-Kick: Welche Inhalte sind dir im Fußball besonders wichtig, gibt es Trainer, die dich beeinflusst haben?


Kurt: Ich mag das schnelle und kontrollierte Spiel nach Vorne. Wie es Dortmund oder Real Madrid es vormachen. Ich habe sehr früh als Trainer meine Spielweise durchgesetzt und hatte damit Erfolg, daher bin ich dabei geblieben. Ich denke ein Trainer muss sehr, sehr, sehr viele Fähigkeiten und Kompetenzen haben. Es reicht nicht nur die Abläufe zu erklären und die Spielern machen lassen. Es gehören viele (sehr viele) andere Aspekte dazu. Ein Spieler von Atletico Madrid hat mal gesagt, jeder Spieler in unserem Team würde für unseren Trainer sterben!! Natürlich ist das nicht wörtlich gemeint, aber ein Trainer muss es schaffen, seine Spieler so im Griff zu haben, ohne dass er sich zu etwas gezwungen fühlt. Also der beste Freund aber gleichzeitig der beste Lehrer, also wie in der Ehe.


Lippe-Kick: Inwieweit hat sich die Spielergeneration in den letzten zwanzig Jahren verändert, wenn man die körperlichen, technischen und charakterlichen Komponenten berücksichtigt?


Kurt: Ich bin Trainer und Vater von zwei Kindern und habe auch mehrfach Jungendmannschaften trainiert. Die Jugend von Heute ist bequemer geworden. Ich denke so schnelllebig unser Leben durch Social Media und IT-Technologien geworden ist, so muss sich die Gesellschaft auch umstellen. In den letzten 20 Jahren hat sich die Jugend massiv verändert. Und dementsprechend die Spieler, leider nicht alles zum positivem!! Zum Beispiel kommt es vor, dass Spieler Trainingszeiten verschlafen!! Wir haben früher alles nach dem Fussball gerichtet und Heute kommt Fussball an dritter bis vierter Stelle. Aber positiv ist zumindest die schnelle Kommunikation geworden. Ich kann die Spieler immer erreichen.


Lippe-Kick: Gibt es Spiele in der Liga, auf die du dich besonders freust?


Kurt: Ja!! ganz klar!! Wir spielen viel lieber gegen Mannschaften wie Hiddesen, Post oder Hagen, weil die auch mitspielen. Gegen schwächere Mannschaften tun wir uns sehr schwer.


Lippe-Kick: Wie wichtig ist eine gut funktionierende Reserve. Wie fällt der Austausch und der Kontakt untereinander aus?


Kurt: Unsere zweite Mannschaft hat es ja geschafft in der letzten Saison in die B-Liga aufzusteigen. Es sind überwiegend Spieler aus dem Ortsteil Hohenloh. Diese Saison läuft noch nicht so erfolgreich, weil immer wieder äußere Einflüsse den Spielbetrieb stören, zum Beispiel hat der Krieg im Irak direkt unser Volk betroffen und es ist nach wie vor sehr schwierig sich auf Fussball zu konzentrieren. Ich denke aus den Medien ist es bekannt, dass unser Volk (Kurden) von der IS (Islamischer Staat) derzeit mit einer Massenvernichtung bedroht wird. So konnte unsere Mannschaft nie wirklich den Rhythmus finden. Aber es sind viele junge und gute Kicker, so dass in der Rückrunde ausreichend Punkte geholt werden, um sicher in der Liga zu bleiben. Wir kommunizieren viel und unterstützen uns gegenseitig. Halef Ak hat mit Ömer Yalcin zu Beginn der Saison die Mannschaft übernommen.


Lippe-Kick: Das Image des Hakedahler SV hat sich deutlich verbessert. Was sind die Gründe dafür?


Kurt: Natürlich mussten wir personell sowohl in der Vereinsführung als auch bei den Spielern etwas vornehmen. Wir haben Störfaktoren beseitigt. Ich kriege viele positive Resonanzen von unseren Gegnern. Man kennt sich in der Fussballszene in Detmold und hier erhalten wir gutes Feedback. Aber das ist ein unendlicher Prozess, dass muss weitergelebt werden. Aktionen wie der "Sportpark Lippe Cup", Partnerschaften mit Sponsoren, so wie Beziehungen zu den Ortsansässigen Institutionen helfen uns dabei. Zum Beispiel sind wir ganz frisch mit der Firma P.P.S. Personal Partner Service GmbH eine Partnerschaft eingegangen, in der unsere kompletten Mannschaften mit Präsenzanzügen und Taschen ausgestattet werden. Ich denke solche Partner sehen und schätzen so eine Entwicklung in einem Verein, sonst wäre so eine komplexe Zusammenarbeit nicht möglich.


Die Arbeit konzentriert sich auf wenige Schultern im Verein, aber wir haben sehr vieles geändert. Wir haben uns komplett anders aufgestellt und in erster Linie Aufbauarbeit geleistet und versucht Strukturen zu schaffen. Das ist uns in der kurzen Zeit sehr gut gelungen, sowohl finanziell als auch sportlich, aber auch die Infrastruktur auf dem Sportplatz hat sich verbessert. Unser Ziel ist es eine gute Basis für die Spieler zu schaffen, damit die sich auf das sportliche konzentrieren können. Wir schauen nicht auf den sportlichen Erfolg. Ich bin der Meinung, wenn die Rahmenbedingungen und Organisation stimmt, dann ist der sportliche Erfolg eine Folgerung daraus.


Lippe-Kick: Dass der Fußball auch einen integrativen Charakter besitzt, beweist ihr in eurem Verein, wo verschiedene Kulturen zusammentreffen und erfolgreich zusammen Fußball spielen. Wie stolz ist der Verein auf diesen ganz besonderen Zusammenhalt?


Kurt: Das ist richtig, wir haben auch einige Flüchtlinge aufgenommen, die teilweise auch gut Fussball spielen. Wir integrieren diese Jungs soweit wie möglich und versorgen sie mit allem was man zum Leben braucht. Wir haben ständig Aktionen wie zum Beispiel Fussballsachen sammeln, Winterkleidung sammeln, bei Terminen begleiten und unterstützen bis hin zu, dass wir auch Geldspenden im Verein gesammelt haben, weil die Mutter von einem Spieler in Ghana aus dem Krankenhaus entlassen wurde, weil Sie die Behandlungskosten nicht tragen konnte. Ich denke das ist unsere soziale Verantwortung, unabhängig von Fussball. Manchmal ist das schwierig mit der Sprache, aber wir kommen klar, nur der Schiedsrichter nicht immer, daher unsere Ansprache in vier Sprachen.


Lippe-Kick: Euer Sportpark Lippe-Cup besitzt absoluten Kultcharakter. So ist diese Veranstaltung zu einem festen Punkt im Terminkalender der Winterpause geworden. Was macht dieses Turnier so außergewöhnlich?


Kurt: Wir werden am 15.02.2015 zum dritten Mal den Sportpark Lippe Cup in der DBB Halle austragen. Hier entsteht sehr viel Arbeit, aber es macht großen Spaß und wir schaffen es tatsächlich auch mal Landesligisten oder Westfalenligisten nach Detmold zu holen. Bis auf einen Startplatz ist das Turnier nun schon geplant und die Tombola wo jedes Los gewinnt, ist neben den Spielen das Highlight, weil es attraktive Preise wie das neueste iPhone gibt. Wir haben es bewusst in die Vorbereitungsphase genommen, weil aus eigener Erfahrung zu der zeit oft die Plätze nicht bespielbar sind und bevor man auf der Straße läuft, kann man besser beim Turnier kicken. Mit dem Andreas Muschik vom Sportpark Lippe haben wir einen Hauptsponsor für diese Veranstaltung. Das Turnier hat sich etabliert und wird gut besucht, das bestätigt uns weiter zu machen.


Lippe-Kick: Vielen, herzlichen Dank für das Interview


In dem längeren Gespräch ist in Erfahrung gebracht worden, dass sich der Hakedahler SV auf der Suche nach einem neuen Torwart für die Rückrunde befindet. Interessierte können sich gerne bei Nuri Kurt melden. Die Kontaktdaten können gerne über Lippe-Kick erfragt werden.


Wir bedanken uns für die Unterstützung bei unseren Sponsoren & Partnern